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K.-o.-Mittel oder Knockout-Mittel sind starke Hypnotika, Narkotika und andere Drogen, welche benutzt werden, um bei einem vergifteten Opfer Bewusstlosigkeit oder einen Verlust der Selbstkontrolle zu erreichen.

potentielle K.o.-Mittel[]

GABAnergika
NMDA-Antagonisten
Inhalationsnarkotika
  • Chloroform: Die durch künstlerische Medien weitverbreitete Vorstellung, man können eine Person mittels eines Chloroform-getränkten Lappens leicht gegen deren Willen bewusstlos machen, gilt in der Fachwelt als Mythos.
Anticholinergika
Neuroleptika
  • Haloperidol
Cannabinoide
  • Synthetische Cannabinoide
Sonstiges
  • Tetryzolin ("Visine"): Vermutlich durch den Film "Wedding Crashers" (2005) wurde die falsche Behauptung verbreitet, "Visine" würde oral verabreicht zu Durchfall führen.

Bezeichnungen[]

nach Zubereitungsform[]

Je nach Zubereitung wird auch oft von K.o.-Tropfen, einem K.o.-Joint, K.o.-Spritzen oder K.o.-Gas (auch Narkosegas, Betäubungsgas[2]) gesprochen. Der Akt des Vergiftens eines Getränks wird als Spiking bezeichnet, abgeleited davon wird das Spritzen von K.o.-Mitteln als Needle spiking bezeichnet.

nach Verwendungszweck[]

Im Englischen werden solche Mittel auch als Date Rape Drugs oder Predator Drug bezeichnet, womit konkret auf ihren Einsatz für Vergewaltigungsdelikte hingewiesen wird. Abgeleitet davon wird im Deutschen auch manchmal von Vergewaltigungsdrogen gesprochen. Eine solche Bezeichnungsweise erscheint allerdings wenig sinnvoll, da diese Mittel ebenso für Raubdelikte oder andere Straftaten verwendet werden. Auch suggeriert "Date Rape" eine engere Beziehung zwischen Täter und Opfer.

weiteres[]

Ein englischer Slangausdruck für ein mit K.o.-Tropfen versehenes (ethanolisches) Getränk ist Mickey Finn. Dieser geht auf einen Chicagoer Barbesitzer zurück, welcher zwischen 1896 und 1903 seinen reichen Kunden das Hypnotikum Chloralhydrat in die Drinks tat um sie zu berauben.

Gegenmaßnahmen[]

Drink-Spiking[]

Auf Getränke, Lebens- und Genussmittel aufpassen
  • Getränke, Lebensmittel oder Rauchware sollten nicht unbeaufsichtigt bleiben bzw. nicht mehr konsumiert werden, wenn sie unbeaufsichtigt waren. Die beaufsichtigende Person sollte vertrauenswürdig sein.
  • Man sollte keine offenen Getränke, Lebensmittel oder Zigaretten bzw. Joints von Fremden bzw. kaum bekannten Personen annehmen.
  • Offene Getränke sollten nach Möglichkeit abgedeckt werden, um ein heimliches Versetzen mit K.o.-Mitteln vorzubeugen. Für Becher gibt es hierfür Deckel oder Gummi-Überzüge (Becherkondom genannt), bei einer Bierflasche kann man etwa den Daumen auf die Flaschenöffnung drücken.
Auf einander aufpassen
  • Man sollte seine Freunde im Auge behalten, um zu schauen, ob es ihnen gut geht.
  • Sollte ein Freund zu Ethanol-Konsum gedrängt werden, sollte man ihm zur Seite stehen.
Auf Ethanol-Konsum aufpassen
  • Nur soviel trinken, wie man verträgt. Wer zu viel trinkt, wird leicht unvorsichtig oder kippt manchmal schon allein vom Ethanol um.
  • Sich nicht zum Ethanolkonsum drängen lassen.
Bei plötzlichem unerklärlichen Unwohlsein oder Enthemmung
  • Möglichst schnell sich Freunde zur Seite holen. Sollte man allein sein, dann kann man sich an das Personal wenden. Vorsichtig sollte man mit Fremden sein, die einem plötzlich Hilfe anbieten, da Täter sich oft als Helfer ausgeben, um das Opfer an einen anderen Ort zu bringen.
  • Medizinische Hilfe holen sollte sich das Unwohlsein nicht bessern oder sollte man stark Müde werden.

K.o.-Tropfen-Test[]

Im Handel gibt es K.o.-Tropfen-Test-Armbänder von Xantus die vor K.o.-Tropfen in Getränken schützen sollen. Diese Test werden aus einigen Gründen kritisiert:[3]

  • Die Armbänder testen nur auf GHB, nicht auf die zahlreichen anderen K.o.-Mittel.
  • Die Armbänder versprechen eine sichere Detektion bei einer Konzentration von mindestens 1,5 g GHB/100 ml. Die vermutete K.-o.-Dosis von GHB wäre ungefähr 3,5 g (bei einer 70 kg schwerden Person und einer relativen Dosis 50 mg/kg Körpergewicht). Löst man 3,5 g GHB in Flüssigkeit, wäre die garantierte Nachweiskonzentration bei 234 ml Flüssigkeit unterschritten, in einer Flasche Bier (500 ml) entsprächen 3,5 g GHB nur noch eine Konzentration von 0,7 g/100 ml.
  • Wasser führte z.T. zu falsch-positiven Ergebnissen.
  • Stark färbende Getränke können das Testergebnis schwierig identifizierbar machen.

Straftaten[]

Jemanden gegen seinen Willen eine starke Droge verabreichen stellt für sich bereits eine gefährliche Körperverletzung dar und kann entsprechend hohe Haftstrafen nach sich ziehen. Das Verabreichen von K.o.-Tropfen soll vor allem der Vorbereitung weiterer Straftaten dienen, wie Vergewaltigung oder Raub.

Häufigkeit[]

Zur Häufigkeit solcher Straftaten mit K.o.-Tropfen existieren sehr widersprüchliche Angaben. Dies liegt vor allem an Diskrepanz zwischen berichteten Fällen und nachgewiesenen Fällen.

Nachweisfenster

Substanzen wie GHB sind zum Teil nur in einem sehr kurzen Zeitfenster nachweisbar. Dieses Zeitfenster verstreicht oft, weil die Opfer nach so einem Erlebnis verwirrt und verunsichert sind. Standard-Drogenschnelltests testen oft nicht auf GHB. GHB-Nachweise mittels Haarproben sind zwar auch Monate nach einer Intoxikation möglich, allerdings auch sehr teuer und werden selten veranlasst.

Überschneidung mit Ethanol-Wirkung

Das Wirkprofil von Ethanol weist große Überschneidungen zu anderen GABAerge Drogen auf, welche als Sedativa und Hypnotika wirken.

Übertriebener Ethanol-Konsum kann also genauso zu Bewusstlosigkeit und einem Filmriss führen wie eine Vergiftung mit K.-o.-Tropfen. Die Wirkung von Ethanol kann auch im manchen Fällen deutlich stärker ausfallen, als man es von der Dosis gewohnt ist. Dinge, die die Wirkung steigern können, sind:

  • Müdigkeit bzw. Schlafmangel
  • eine sehr warme Umgebung
  • stehender Zigarettenrauch in geschlossenen Räumen
  • Kombination von Ethanol mit Zucker.

Ethanol gilt als bei weitem bedeutendstes K.-o.-Mittel.

Grenze zwischen willenlichen und unwillentlichen Drogenkonsum

Die Abgrenzung von willentlichen und unwillentlichen Drogenkonsum kann z.T. schwer sein. Die Willensschwäche einer Person kann ausgenutzt werden, indem man sie zum weiteren Drogenkonsum drängt. Bei Ethanol wird dies als eine Person betrunkenmachen bezeichnet, was typischerweise dadurch passiert, das man ihr immer neue Getränke ausgibt.

Die Ausnutzung der hilflosen Lage einer berauschten Person, kann eine Straftat sein.

Deckgeschichten

Zum Teil können K.-o.-Tropfen-Erzählungen von Menschen als Deckgeschichte verwendeten werden. Anstelle des Berichts von eigenem Fehlverhalten (unvernünftiger Ethanol-Konsum, sexuelle Untreue, verlieren von Geld, Handy und Portemonnaie) tritt eine Opfer-Erzählung von einem Verbrechen, das kaum Nachweisbar ist und entsprechend auch keines Beweises bedarf.

Man sollte mit solchen Vermutungen natürlich äußerst vorsichtig sein, da man echte Opfern nicht von falschen Opfern unterscheiden kann. Durch den Filmriss wissen die Betroffenen z.T. selbst nicht, was ihnen passiert ist und Füllen die Lücke mit einer zu ihrem Selbstbild passenden Erzählung.

Urbane Legenden[]

Zum Teil zeigen Erzählungen über die Verwendung von K.-o.-Tropfen Merkmale von urbanen Legenden bzw. gehen fließend in diese über.

Typisch ist etwa das immer jemand jemanden kennt, dem das zugestoßen sein soll. Typisch ist auch, dass in den Erzählungen oft ein als "moralisch Zweifelhaft" betrachtetes Verhalten durch ein großes Unglück bestraft wird. Ein "moralisch zweifelhaftes" Verhalten kann hierbei schon sein, das Menschen nachts um die Häuser ziehen, Ethanol trinken oder mit vielen fremden Menschen flirten.

Etwa wird ein Mann Nachts in einem Club von einer Frau verführt, nur um sich am nächsten Morgen ohne Erinnerungen, in einer Badewanne mit Eis und einer Niere weniger wiederzufinden.

Eine weitere eher unglaubwürdige Erzählung sind Kontaktgifte, etwa auf Visitenkarten oder Handschuhen.

Bekannte Kriminalfälle[]

  • Todesfall von Samantha Reid[4]: Die 15-Jährige US-Amerikanerin Samantha Reid und ihre Freundin Melanie Sindone wurden am 16. Januar 1999 auf einer Hausparty mit GHB-vergiftet, Reid starb am nächsten Tag im Krankenhaus. Infolge dieses Ereignisses wurde GHB zu als Schedule-I-Controlled-Substance in den USA eingestuft.
  • Andrew Luster: Der US-amerikanische Millionenerbe Andrew Luster wurde 2003 wegen des Betäubens und Vergewaltigens von drei Frauen mit Liquid Ecstasy in 83 Fällen zu 124 Jahren Gefängnis verurteilt. Auf Basis der von Luster gemachten Filmaufnahmen geht man von mindestens 13 Opfern aus.[5]
  • Liquid-Ecstasy-Mordserie in Berlin 2012: Dirk P. ermordete drei Männer und versuchte einen Mord an einem Mann mit GHB. In allen Fällen bestahl er die Betroffenen im Nachhinein.[6]
  • Vergewaltigungsserie im Bielefelder Evangelischem Klinikum Bethel: Der Assistenzarzt Phillip G. betäubte von 2019 bis September 2020 mindestens 29 Patientinnen Nachts mit Propofol um diese zu vergewaltigen, was er mit Filmaufnahmen dokumentierte. Bereits 2016 wurde er wegen einem ähnlichen Fall in Krefeld angezeigt. Auch außerhalb des Klinik-Kontexts soll er Frauen auf ähnliche Weise missbraucht haben.[7][8]
  • Bolivianische Geistervergewaltigungen: Eine große Serie von Vergewaltigungen in der mennonitischen Siedlung Manitoba in Bolivien, bei der die Betroffenen durch ein Inhalationsanästhetikums aus der Veterinärmedizin betäubt worden sein sollen.[9][10]


Weblinks[]